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Stellungnahme des Bundesrates zu den geplanten DNS-Sperren

Montag, 15. Juni 2009 | Autor: Dr. Christoph Ohrmann

In der ersten Lesung des Gesetzesentwurfes der Bundesregierung zur Sperrung von Webseiten mit kinderpornograpischem Inhalt meldete der Bundesrat datenschutzrechtliche Bedenken an und bemängelte ferner die Alleinzuständigkeit des Bundeskriminalamtes (BKA) in Bezug auf die Erstellung der Zensurlisten. Wörtlich heisst es:

“Erhebliche Bedenken bestehen gegen den Gesetzentwurf insoweit, als danach allein das Bundeskriminalamt ohne die Möglichkeit der Überprüfung die geheim zu haltende Liste der zu sperrenden Seiten erstellt. Dies begegnet erheblichen rechtsstaatlichen Bedenken, zumal von den Sperrungen auch legale Internetseiten erfasst sein können. Die Sperrung von Internetseiten betrifft die Telekommunikationsfreiheit, die Informations- und Meinungsfreiheit sowie die allgemeine Handlungsfreiheit. Vor diesem Hintergrund sind geeignete Sicherungsmechanismen – etwa die Einbeziehung eines unabhängigen Gremiums – erforderlich, um zu verhindern, dass legale Seiten gesperrt werden.”

Auch das Ministerium hatte zuletzt aufgrund öffentlichen Drucks die Einrichtung einer Aufsicht über die Sperrlisten angedacht, die sich jedoch im Gesetzentwurf dann nicht wiederfand. Darüber hinaus bestehen weitere Kritikpunkte. So wird kein verbindlicher Zeitrahmen festgelegt, innerhalb dessen das BKA gesperrte Seiten auf deren Inhalt hin überprüfen muss, um diese bei Nichtvorliegen sperrungswürdigen Inhalt sodann wieder freizuschalten. Ebenso besteht Uneinigkeit darüber, wie Anbieter geschützt werden können, die Inhalte auf Webservern hosten, die von einer DNS-Sperre betroffen sind. Zudem bestehe bei jedem User, der auf eine gesperrte “Stopp-Schild-Seite” gelangt, der Generalverdacht des vorsätzlichen Begehens einer Straftat.

Letztendlich soll hier dem Bürger taugliche Sicherheitspolitik verkauft werden, die technisch ineffektiv ist, als rechtsstaatlich bedenklich eingestuft werden kann, sowie eine Verschwendung von Steuergeldern bedeutet:

  • DNS-Sperren sind für jedermann ohne großen Aufwand oder technisches Hintergrundwissen einfach zu umgehen. Die Videoplattform Youtube hält bereits ein Video zum Abruf bereit, in dem diese innerhalb von weniger als 30 Sekunden umgangen werden. Wer googelt, findet ebenso Anleitungen, die selbst die Zwangsumleitung von HTTP-Proxys ermöglichen.
  • Das Verfahren zur Sperrung von Kinderpornographie verstößt gegen den Grundsatz des rechtlichen Gehörs. Ohne Überprüfung der Rechtmäßigkeit des Eingriffs durch einen Richter, ohne die Möglichkeit des Betroffenen Widerspruch einzulegen und ohne zu informieren, bestimmt alleine eine Ermittlungsbehörde, welche Webseiten von den Providern zu sperren sind.
  • Das Verhältnis von Kosten und Nutzen steht außer Verhältnis. Neben den nicht spezifizierbaren Kosten der Grundrechtseinschränkungen und die bestehende Gefahr einer schleichenden Zensur von Webinhalten müssen die finanziellen, personellen und sonstigen materiellen Ressourcen bedacht werden. Denn dieses Geld könnte sinnvoller und nützlicher für den Kampf gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern eingesetzt werden, indem Stellen für neue Ermittler, bessere IT-Ausstattung und dementsprechend Experten für die ermittelenden Behörden bereitgesellt werden, der Opferschutz verbessert wird und verstärkt Prävention statt Reaktion betrieben wird.
     
    Quellen: FDP-Bundesverband, Netzwelt
     
    Zum Thema siehe ebenso: MMR 2009, S. 221 ff. – Netzsperren: Werden Access-Provider die neuen Gatekeeper des Rechts?
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    Thema: Datenschutz, Gesetzgebung & Politik

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